Pure Freude fürs Laufen – junge Familie, Beruf & Lauftraining im Einklang: Florian Bentele im Läufer-Dialog

LD_Florian_Bentele_2020__Kombibild_finalFlorian ist beim Lauf für Mehrsprachigkeit im April letzten Jahres nach 46:02 min auf der 10 km Strecke ins Ziel gekommen, beim Eschathlon war er 2019 zum zweiten Mal beim Halbmarathon dabei und nach 1:38:51 im Ziel, Auch beim Frankfurt-Marathon hat er das Team Eschathlon vertreten. Beim Spiridon-Silvesterlauf hat er die 45-Minuten-Marke auf 10 km geknackt. Dabei ist es nicht einfach, mit drei kleinen Kindern (7, 5 und 2 Jahre alt) die optimale Vorbereitung zu organisieren. Ich wollte von dem Familienvater aus Niederhöchstadt wissen, wie er das hinbekommt und was er sich für 2020 vorgenommen hat.

Lieber Florian, was hast Du Dir für 2020 vorgenommen? Welche Zielzeit möchtest Du bei Deinem nächsten Lauf auf dem Display sehen und welcher Lauf wird das sein?
Fest vorgenommen habe ich mir für 2020 bislang nur die Teilnahme am Halbmarathon beim Eschathlon. Sehr gerne würde ich hier wieder eine persönliche Bestzeit laufen. Nachdem es mir im letzten Jahr gelungen ist, die 1:40 Stunden zu unterbieten und meine bis dahin geltende Bestzeit um mehr als acht Minuten zu verbessern, möchte ich dieses Jahr versuchen, so nah wie möglich an die 1:35 heranzukommen.

Wie oft und wie lange betreibst Du durchschnittlich Sport pro Woche? Und wie beschäftigt sich die Familie in der Zeit?
Das hängt ein wenig davon ab, auf welches Ziel ich gerade hintrainiere. Wenn ich mich auf einen Marathon vorbereite, sind die wöchentlichen Laufumfänge naturgemäß etwas höher als sonst. Im Moment gehe ich in der Regel vier Mal pro Woche laufen, was ca. vier bis fünf Stunden an Zeit in Anspruch nimmt. Daneben versuche ich ein bis zwei Mal pro Woche zu Hause Gymnastik zu machen.

In letzter Zeit bemühe ich mich, mein Laufpensum so weit wie möglich unter der Woche zu absolvieren, um am Wochenende mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Entweder laufe ich morgens (mit Rucksack) zur Arbeit, oder ich trainiere in der Mittagspause. Beide Varianten haben sich inzwischen schön eingespielt. So habe ich mir fürs „Fußpendeln“ eine schöne Maximalroute von 13 Kilometern (ab Spatzennest Niederhöchstadt) zurechtgelegt, die praktisch ausschließlich über Felder und durch Parks (Niddapark und Grüneburgpark) direkt ins Büro führt. In der Mittagspause laufe ich sehr oft mit Kollegen zusammen, entweder im Grüneburgpark oder am Main. Beide Varianten funktionieren nicht zuletzt deshalb sehr gut, weil wir im Büro eine ausreichende Anzahl an Duschen und Spinden haben. Wenn ich doch am Wochenende laufen gehe, dann versuche ich, die größeren Kinder dazu zu bewegen, mich auf dem Fahrrad zu begleiten. Früher habe ich die Kinder regelmäßig zu ihrer Mittagschlafzeit im Babyjogger mitgenommen; aus dieser Phase sind mittlerweile aber leider alle raus. Wenn ich alleine starte, dann versuche ich, die Läufe zeitlich nicht allzu sehr ausufern zu lassen oder (so z.T. die langen Läufe in der Marathonvorbereitung) abends zu absolvieren, wenn die Kinder im Bett sind.

Was ist Deine „Lieblings-Distanz“ für Dich im normalen Trainingsalltag? Hast Du eine Lieblingsstrecke in und um Niederhöchstadt?
Meine Lieblings-Distanz im normalen Trainingsalltag sind, denke ich, so 10 bis 14 Kilometer. Dabei habe ich natürlich einige Lieblingsstrecken in und um Niederhöchstadt, die ich gerne nach Lust und Laune variiere. Ich versuche auch immer, eine einzige (größere) Runde zu laufen, also nicht mehrmals dieselbe Strecke hintereinander, außer wenn Intervalltraining ansteht und unsere schöne blaue Tartanbahn gerade nicht geöffnet ist (dann nutze ich gerne den Dörnweg und den parallel gelegenen Weg entlang des Westerbachs). Am häufigsten führt mich mein Rundweg wohl über Steinbach, weil ich den Blick auf die Frankfurter Skyline doch sehr liebe. Sehr gerne laufe ich auch über Oberhöchstadt in den Oberurseler Stadtwald. Allerdings braucht man dafür schon etwas Zeit, denn bis zum Wald sind es immerhin fünf Kilometer. Und dann ist da noch meine Lieblingshalbmarathon-runde über das Arboretum an die Nidda durch Rödelheim und über Praunheim zurück nach Hause.

Was ist denn derzeit Dein Lieblingssong für deine Lauf-Playlist?
Ich höre beim Laufen praktisch keine Musik mehr. Zum einen höre ich am liebsten klassische Musik, zu der es sich eher schlecht sportelt. Zum anderen möchte ich beim Laufen auch gar nicht von Musik abgelenkt werden, sondern viel lieber den Geräuschen um mich herum lauschen. So bekomme ich am besten den Kopf frei. Mir gefällt und ich kann mich sehr gut damit identifizieren, was der japanische Autor Haruki Murakami in seinem Buch „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ geschrieben hat: „Ich laufe einfach weiter in meiner wohligen, hausgemachten Leere … Und das ist ziemlich wundervoll – mögen andere sagen, was sie wollen.“

Was war Dein erster Kontakt mit Sport bzw. mit dem Laufen?
An die Anfänge des Laufens habe ich keine guten Erinnerungen. Als ich elf Jahre alt war, wurde bei mir ein allergisches Asthma diagnostiziert. Um diese Zeit musste ich im Schulsport einen 1000-Meter-Lauf absolvieren, bei dem ich extrem schlecht abschnitt. Wenn ich in der Folge Sport trieb, so eher mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz. Während meiner Studienzeit gab es dann immer wieder Phasen, in denen ich relativ regelmäßig zum Ausgleich laufen gegangen bin – allerdings nie systematisch oder ambitioniert. Zur richtigen Leidenschaft mit Regelmäßigkeitsfaktor wurde das Laufen für mich erst vor ziemlich genau zwei Jahren, als ich einen Monat Elternzeit mit meiner jüngsten Tochter Clara, die damals etwa ein halbes Jahr alt war, nutzte, um praktisch jeden Tag mit ihr im Babyjogger laufen zu gehen. Übrigens nehme ich heutzutage praktisch keine Asthma-Medikamente mehr, und ein vor einigen Monaten durchgeführter Checkup hat ergeben, dass meine Lungenfunktion ohne diese Medikamente genauso gut ist wie mit.

Was hat sich in Deinem Leben grundlegend geändert, seitdem Du Sport machst?
Das regelmäßige Laufen hilft mir immens, die täglichen Herausforderungen in Job und Familie zu bewältigen. Es ist, als würde ich beim Laufen mein System auf Reset stellen. Danach habe ich jedenfalls den Kopf frei und in der Regel mehr Energie als vorher. Ich ernähre mich außerdem viel bewusster als früher und lebe insgesamt gesünder.

Gibt es eine besondere Geschichte/Ereignis, das Dich zum Sport gebracht hat bzw. warum Du dabeigeblieben bist?
Sport habe ich (mehr oder minder intensiv, auch im Fitnessstudio) eigentlich immer gemacht. So richtig Feuer gefangen habe ich allerdings erst durch ein Wohltätigkeitsevent, das alljährlich in der Allianz-Gruppe, bei der ich seit drei Jahren tätig bin, veranstaltet wird. Im Wesentlichen besteht das Event darin, dass man über einen Zeitraum von drei Monaten so viele Kilometer wie möglich für einen guten Zweck sammelt, entweder walkend oder laufend. Der besondere Reiz an dieser Veranstaltung ist, dass man sich über eine der gängigen Lauf-Apps mit Kollegen (und neuerdings auch firmenfremden Freunden und Bekannten) vernetzt, seine Workouts teilt und sich so gegenseitig anfeuert und motiviert. Ich war wirklich sehr überrascht zu sehen, wie viele ambitionierte und zugleich überaus sympathische Läufer es in unserer Firma gibt. Ein solche nette Läufercommunity hilft natürlich auch sehr dabei, an dem Sport dran zu bleiben.

Wie gehst Du mit Wettkämpfen um – wie sieht z.B. dein Powerfrühstück aus, was sind Deine Vorbereitungstipps und was gönnst Du Dir, wenn der Wettkampf erfolgreich gemeistert ist?
Mein Frühstück am Wettkampftag ist „läuferklassisch“, würde ich sagen: ein bis zwei weiße Brötchen mit Honig. Wenn mich zwischen Frühstück und Wettkampf noch einmal ein leichtes Hungergefühl überkommt, esse ich manchmal noch einen Müsliriegel. Damit habe ich bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. In der Vorbereitung versuche ich eigentlich immer, mich einigermaßen an einen Plan zu halten. Bislang habe ich mich meistens an den Plänen von Herbert Steffny orientiert, weil die, wie ich finde, für den Durchschnittsläufer gemacht und somit nicht zu „hart“ sind. Wenn der Wettkampf gemeistert ist, gönne ich mir eigentlich nichts, das ich mir nicht auch sonst gönnen würde. Ich sehe nur meistens zu, dass ich möglichst schnell wieder zu Hause bin, damit ich mich um meine Familie (die bedingt durch den Mittagschlaf der Kleinsten bislang eher nicht zum Anfeuern dabei war) kümmern kann.

Was macht den Eschathlon attraktiv für Dich?
Den Eschathlon mag ich allein deshalb sehr, weil er direkt an unserem Gartenzaun vorbeiführt (vor dem es sich die Kinder dann gerne zum Anfeuern mit Stühlen gemütlich machen) und also buchstäblich meine „Hausstrecke“ ist. Außerdem ist das Event wirklich perfekt organisiert, und die Laune von Teilnehmern, Zuschauern und Helfern ist immer top. Mittlerweile treffe ich beim Eschathlon auch etliche Lauffreunde aus der Region, was ebenfalls sehr schön ist. Und seit dem letzten Jahr sind außerdem meine beiden älteren Kinder mit Begeisterung selbst aktiv mit dabei – die Große beim 1,5-km-Schülerlauf und der Mittlere beim Bambinilauf. Es war sehr schön zu sehen, wie stolz die beiden auf ihr Eschathlon-T-Shirt waren.

Wie sollten Kinder / Jugendliche generell an Sport oder speziell an Laufen herangeführt / dauerhaft begeistert werden?
Ich glaube, das Beste ist, wenn man als Eltern den Kindern einfach durch seine eigene Laufaktivität vorlebt, dass Laufen etwas ganz Natürliches und Schönes ist. Ich habe das Gefühl, dass das bei meinen beiden älteren Kindern zumindest in Ansätzen schon gut geklappt hat,

Wie beschreibst Du Deine sportliche Einstellung ganz allgemein?
Ich finde das Mantra „No human is limited“ des Weltrekordhalters im Marathon der Männer, Eliud Kipchoge, sehr inspirierend. Natürlich werde ich nie auch nur annähernd läuferisch in die Regionen vorstoßen, in denen Kipchoge oder auch unzählige nichtprofessionelle Läufer sich bewegen. Und dennoch fasziniert mich an der Lauferei, dass ich es (jedenfalls bislang noch – das Alter spielt da ja leider gegen einen) immer wieder schaffe, meine Leistung, Fitness und Form noch ein bisschen zu verbessern. Außerdem finde ich es großartig, dass ich mich durch das Laufen von einem „tendenziellen Stubenhocker“ zu einem „Frischluftfanatiker“ gewandelt habe, dem es einfach Freude bereitet, bei Wind und Wetter draußen unterwegs zu sein und die Natur hautnah zu erleben.

Vielen Dank! Wir drücken Dir für die Laufsaison 2020 die Daumen und wünschen Deiner Familie beim Eschathlon viel Vergnügen! „Fußpendeln“ finde ich auch nachahmenswert, das werde ich auch mal ausprobieren…

Links:
Haruki Murakami: „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“, btb Verlag, 1, Auflage, 2010
Herbert Steffny, „Das große Laufbuch“, Verlag Südwest, 7. Auflage 2017

Autorin: Marlis Sieburger